{"id":228,"date":"2022-02-17T19:45:07","date_gmt":"2022-02-17T19:45:07","guid":{"rendered":"https:\/\/stclemens.berlin\/?page_id=228"},"modified":"2022-03-06T15:12:38","modified_gmt":"2022-03-06T15:12:38","slug":"st-clemens-berlin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stclemens.berlin\/de\/st-clemens-berlin\/","title":{"rendered":"St. Clemens, Berlin"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"228\" class=\"elementor elementor-228\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-40ece83 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"40ece83\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\" data-settings=\"{&quot;background_background&quot;:&quot;classic&quot;}\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-4ffa148\" data-id=\"4ffa148\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-4ce66ae elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"4ce66ae\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">Die Geschichte der St. Clemens-Kirche in Berlin<\/h2>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-10d6799 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"10d6799\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\" data-settings=\"{&quot;background_background&quot;:&quot;classic&quot;}\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-5bd75c5\" data-id=\"5bd75c5\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-c880f63 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"c880f63\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><b>A. Geschichtliche Bedeutung<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Die St. Clemens-Kirche und das Kolping Hospiz in der Stresemannstr. 66 wurden im Jahre 1910 vom sp\u00e4teren Bischof von M\u00fcnster, dem sel. Clemens August Kardinal von Galen erbaut und 1911 konsekriert.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><b>1. Bau des Kolping-Hospizes und der St. Clemens Kirche<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Das Kolping-Hospiz und die St. Clemens Kirche wurden von Clemens von Galen 1910 zur Unterst\u00fctzung der nach Berlin str\u00f6menden Wandergesellen und Handwerker erbaut. Das Ensemble ist daher ein Zeugnis der Phase des gesellschaftlichen Aufbruchs Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und spiegelt zugleich die zunehmende Emanzipation der Katholiken in Berlin wieder. Im Rahmen des Kulturkampfes des 19. Jahrhunderts hatten Berliner katholischen Glaubens erhebliche Einschr\u00e4nkungen in ihrer Religionsaus\u00fcbung hinnehmen m\u00fcssen, was sich nicht zuletzt in den Kirchenbauten dieser Zeit widerspiegelt (sog. Stra\u00dfen- und Hinterhofkirchen).<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Die Katholiken bildeten in Berlin eine kleine Minderheit, aber durch die Aufbruchstimmung um die Jahrhundertwende str\u00f6mten Massen, darunter Handwerker und arme Wandergesellen, nach Berlin. Von Galen war mit der Leitung des Gesellenvereins f\u00fcr ganz Berlin betraut und erkannte die soziale Situation in der Gro\u00dfstadt-Diaspora, war doch der Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler, ein Wegbereiter der katholischen Sozialbewegung im 19. Jahrhundert, sein Gro\u00dfonkel. Das Anliegen von Adolph Kolping, Wandergesellen zu helfen und sie religi\u00f6s zu begleiten, nimmt er ernst. Im Jahre 1907 f\u00fchrt von Galen Grundst\u00fccks-Verhandlungen f\u00fcr ein neues Gesellenhaus und erwirbt ein Grundst\u00fcck am Anhalter Bahnhof, der wichtigsten Station f\u00fcr Reisende, Berufst\u00e4tige und Einwanderer, die t\u00e4glich nach Berlin str\u00f6men. 45.000 Goldmark stellt er noch f\u00fcr den Bau eines Gesellenhauses mit Wohnraum f\u00fcr 200-400 Menschen zur Verf\u00fcgung, indem er sich sein Erbteil auszahlen l\u00e4sst. Den Rest seines Erbteils stiftet er f\u00fcr den Bau kirchlicher Geb\u00e4ude seiner Pfarrei. Die neu gebaute Kirche St. Clemens wird nahezu komplett von ihm finanziert. An dieser Kirche wird von Galen 1911 Kurator und damit selbstst\u00e4ndiger Seelsorger des 3.000 Katholiken z\u00e4hlenden Seelsorgebezirks.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><b>2. Das Kolpinghospiz und die St. Clemens Kirche als eines der ersten Beispiele sozialutopischen Wohnungsbaus<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Der von ihm erbaute Geb\u00e4udekomplex ist in dieser Form sicherlich architektonisch einzigartig. Er enth\u00e4lt neben Wohngeb\u00e4uden, die sich um die zentral im Hof gelegene Kirche gruppieren, mehrere Veranstaltungss\u00e4le, eine Dachterrasse und alles, was f\u00fcr das soziale Leben der Handwerksgesellen damals erforderlich war. Das Geb\u00e4udeensemble bildet damit eine kleine Stadt in der Stadt. Vor dem Hintergrund der menschenunw\u00fcrdigen Lebensbedingungen in den \u00fcberf\u00fcllten Mietskasernen im Berlin dieser Zeit ist das Kolping-Hospiz zugleich ein Beispiel f\u00fcr die bauliche Verwirklichung der Ideale der katholischen Sozialbewegung des 19. Jahrhunderts, die darum bem\u00fcht war, den \u00c4rmsten menschenw\u00fcrdige Wohnbedingungen abseits der \u00fcberf\u00fcllten Wohnquartieren zur Verf\u00fcgung zu stellen. Der Kontrast dieser Wohnquartiere zum Kolping-Hospiz, das nicht nur menschenw\u00fcrdige Wohnungen, sondern auch Vereinsr\u00e4ume, Freiluftterassen und Orte der Seelsorge umfasste, und damit auch den sozialen und seelsorgerischen Bed\u00fcrfnissen der Handwerker nachkam, bildet damit ein beredtes Zeugnis und ein wertvolles Baudenkmal f\u00fcr die Sozialbewegung der Berliner Gr\u00fcnderjahre. Dass der gesamte Komplex nicht nur funktional n\u00fctzlich und brillant durchdacht sondern auch \u00e4sthetisch ansprechend gestaltet ist, macht ihn zu einem architektonisch wertvollen Baudenkmal ersten Ranges.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><b>3. Die St. Clemens Kirche als typisches Beispiel der sog. Hinterhofkirche<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Das architektonische Zentrum des gesamten Komplexes bildet die historische St. Clemens Kirche, die als Hinterhofkirche erbaut worden ist. Die besondere bauliche Lage der Kirche in einem von der Stra\u00dfe nicht einsehbaren Hinterhof und in diesem Fall sogar noch hinter dem Vorderhaus versteckt, spiegelt die Benachteiligung der katholischen Minderheit im Berlin des 19. Jahrhunderts wieder und ist damit wichtiger Zeuge eines entscheidenden Abschnitts in der Berliner Geschichte. In der Folge der nachreformatorischen konfessionspolitischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts und der Festlegungen des Westf\u00e4lischen Friedens von 1648 hatten Katholiken in protestantisch regierten Territorien (cuius regio, eius religio \u2013 wessen Herrschaft, dessen Religion) kein Recht auf \u00f6ffentliche, ja kaum auf private Religionsaus\u00fcbung. Wenn es im reformatorisch gepr\u00e4gten Brandenburg-Preu\u00dfen dennoch zur Duldung von Katholiken kam, dann im Zusammenhang der Milit\u00e4rpolitik, insbesondere des Soldatenk\u00f6nigs Friedrich Wilhelm I. Weitere Ver\u00e4nderungen ergaben sich nach der Eingliederung Schlesiens mit dem F\u00fcrstbistum Breslau, als Friedrich II. in Berlin nicht nur den Bau einer katholischen Kirche zulie\u00df, sondern daf\u00fcr auch den Baugrund zur Verf\u00fcgung stellte, so dass am 1. November 1773 die St. Hedwigskirche geweiht werden konnte. Im 19. Jahrhundert hat sich allerdings im Verlaufe des sog. Kulturkampfes die Situation der katholischen Minderheit in Berlin weiter versch\u00e4rft, die im Verbot des Jesuitenordens einen seiner H\u00f6hepunkte erreichte. Diese Entwicklung spiegelte sich nicht zuletzt im Kirchenbau wieder. Katholische Kirchen konnten in der Regel keine dominierende st\u00e4dtebauliche Stellung einnehmen. Oft wurden sie, wie etwa Herz-Jesu in der Fehrbelliner Stra\u00dfe, nahtlos in die Strassenfassade eingef\u00fcgt. Oft wurden sie aber auch, wie etwa St. Clemens, nur als sog. Hinterhofkirchen erbaut. Diese Architektur ist daher bauliches Spiegelbild der Situation der katholischen Minderheit in der Gr\u00fcnderzeit. Sie spiegelt gleichzeitig aber auch die praktischen Erfordernisse einer Stadtmission in Zeiten des von Enge gepr\u00e4gten Berlin der Aufbruchszeit wieder. Eine Stadtmission musste, wenn sie die Arbeiter und Handwerker erreichen wollte, damit gleichsam in die Hinterh\u00f6fe gehen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><b>4. St. Clemens als erste offizielle Niederlassung des 1873 verbotenen Jesuitenordens<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>St. Clemens ist aber auch steinernes Zeugnis f\u00fcr die wechselvolle Geschichte des Jesuitenordens in Berlin. Die Geschichte der Jesuiten, der Gesellschaft Jesu (Societas Iesu), in Berlin kann sich nicht vergleichen mit der Historie der gro\u00dfen alten Orden, wie etwa der Zisterzienser, die das Land urbar machten, ihm Bildung und Kultur brachten, oder mit dem Wirken der Dominikaner und Franziskaner, die bereits in vorreformatorischer Zeit vor allem in brandenburgischen St\u00e4dten ihre Geschichte haben. Erste Versuche, in Berlin Fu\u00df zu fassen, gab es bereits Ende des 18. Jahrhunderts, allerdings waren sie nicht von langer Dauer. Mit dem Ausbruch des Kulturkampfes wird am 4.7.1872 das &#8220;Jesuitengesetz&#8221; erlassen: Jesuiten und ihnen verwandte Orden werden aus dem Reich ausgewiesen, ihre Niederlassungen werden aufgel\u00f6st, Ausl\u00e4nder k\u00f6nnen ausgewiesen werden, deutschen Ordensangeh\u00f6rigen kann der Aufenthalt an bestimmten Orten polizeilich zugewiesen oder verboten werden. Nur noch solchen Geistlichen durften kirchliche \u00c4mter \u00fcbertragen werden, die der Regierung genehm waren. Trotz des Verbotes hielten sich um 1900 mehrere Jesuiten in Berlin auf, und fanden unter anderem auch in St. Clemens Unterkunft bei Clemens August Graf von Galen. Als ehemaliger Student der theologischen Jesuitenfakult\u00e4t an der Universit\u00e4t Innsbruck war er ein gro\u00dfer Freund des Ordens. Er sorgte daf\u00fcr, dass neue Patres an seine Kirche und ins Gesellenhaus kamen und als 1917 das Jesuitenverbot aufgehoben wurde, die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit des Ordens hinf\u00e4llig wurden, konnte in der Stresemannstrasse, der damaligen K\u00f6niggr\u00e4tzer Stra\u00dfe, auch mit staatlichem Einverst\u00e4ndnis offiziell die erste Niederlassung der Jesuiten in Berlin gegr\u00fcndet werden. Die St. Clemens-Kirche und das Kolping-Hospiz stellen damit ein wichtiges Zeugnis der Berliner Geschichte, insbesondere der wechselvollen Geschichte der katholischen Minderheit in Berlin dar.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><b>B. Kulturelle Bedeutung<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Mit der geschichtlichen Bedeutung des Komplexes einher geht die \u00fcberragende kulturelle Bedeutung des architektonischen Gesamtensembles. Als Gesellenhaus erbaut, ist es lebendiges Spiegelbild eines architektonischen Gegenentwurfes zu den engen, menschenunw\u00fcrdigen Mietskasernen der Gr\u00fcnderzeit Berlins. Als Wirkungsort seines Erbauers Clemens August Kardinal von Galen, ist es Zeugnis des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und Erbe einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Pers\u00f6nlichkeit, eines Menschens, der aufgrund seines mutigen Eintretens gegen den Nationalsozialismus und aufgrund seines Lebenszeugnisses selig gesprochen worden ist. Die St. Clemens Kirche kann damit als ein einer kirchliche Sekund\u00e4rreliquie nahestehender Wert von besonderer kultureller und religi\u00f6ser Bedeutung angesehen werden. Sie ist zugleich ein Zeugnis f\u00fcr das Wiederaufleben katholischer Kultur, beherbergte sie doch die erste offizielle Niederlassung des Jesuitenordens in Berlin.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><b>C. Architektonische Bedeutung<\/b><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Die St. Clemens Kirche und das Kolping-Hospiz stellen ein Geb\u00e4udeensemble von besonderer architektonischer Bedeutung dar. Auf die Besonderheiten der Architektur wurde bereits ausf\u00fchrlich eingegangen. Im Gesamtkomplex spiegelt sich das Idealbild der katholischen Sozialbewegung des 19. Jahrhunderts wieder, die darum bem\u00fcht war, insbesondere den Arbeitern und Handwerkern menschenw\u00fcrdige Wohnverh\u00e4ltnisse zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Anlage ist ein architektonisches Meisterwerk, das die f\u00fcr die Unterkunft der Handwerker und ihre sozialen und gesundheitlichen Bed\u00fcrfnisse erforderlichen Funktionen auf engstem Raum, gleichzeitig aber in gro\u00dfz\u00fcgiger und \u00e4sthetisch ansprechender Weise zur Verf\u00fcgung stellt. Im Prinzip wurde eine kleine Idealstadt mit Wohnungen, eigener Kirche und Veranstaltungsr\u00e4umen gleichsam als in Stein gehauene Utopie entworfen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Hervorzuheben ist insbesondere die St. Clemens Kirche mit ihren holzgeschnitzten T\u00fcren, der Orgel und einem riesigen Wandbild, das Christus als guten Hirten darstellt. Die Kirche ist als klassische dreischiffige Basilika errichtet und folgt mit ihren neo-romanischen Rundbogenelementen dem historistischen Zeitgeist, ist jedoch erstaunlich sachlich gehalten. In seiner Schlichtheit nimmt der Bau daher bereits die Stilelemente der in den drei\u00dfiger Jahren vorherrschenden Formenstrenge vorweg und kontrastiert damit in besonderer Weise zu den historistischen Kirchenbauten der Gr\u00fcnderzeit, wie etwa Herz-Jesu in Prenzlauer Berg. Die St. Clemens Kirche stellt damit, insbesondere auch wegen des in dieser Form sehr seltenen riesigen Wandgem\u00e4ldes, ein wertvolles architektonisches Zeugnis dieser Epoche dar, an deren Erhaltung auch aus architektonischen Gr\u00fcnden ein erhebliches \u00f6ffentliches Interesse besteht.<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der St. Clemens-Kirche in Berlin A. Geschichtliche Bedeutung Die St. Clemens-Kirche und das Kolping Hospiz in der Stresemannstr. 66 wurden im Jahre 1910 vom sp\u00e4teren Bischof von M\u00fcnster, dem sel. 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